FakriroTalk – Sylvia Rieß

Stephie von Kleiner Komet besucht unsere Aussteller und fühlt ihnen auf den Zahn. Lernt sie in diesem kurzen, knackigen Interviewformat etwas besser kennen.

Das Setting: Stellt Euch vor, Stephie steht tatsächlich an einem (virtuellen) Messestand.

Wenn ich an deinen Stand trete, was könnte meine Neugier geweckt haben?

Vermutlich würde dich das laute Glucksen meiner 5-Monate alten Tochter bezirzen, die mir anschließend ihr Frühstück einmal quer über mein weißes Fantasy-Kleid spuckt und noch lauter kichert.

Hallo, ich bin Stephanie und blogge als kleiner Komet. Und du?

Hallo Stephanie. Ich bin Sylvia. Ich schreibe Fantasy unter meinem Klarnamen Sylvia Rieß. Meine Bücher sind mittlerweile in vielen Sub-Genre der Fantasy zuhause. Magst du es eher episch und willst die Welt retten, suchst du märchenhafte und moderne Geschichten, oder möchtest du mal wieder herzlich lachen? Habe ich alles da. Und was du bei mir nicht findest, damit können dir bestimmt meine Standkollegen helfen. Jan Gießmann schreibt wundervolle Grim&Gritty Fantasy, Sabrina Schuh hat romantische, aber auch gesellschaftskritische Jugendromane und Janna Ruth und tina Skupin kennt man ja auch mit ihren Bücher der Märchenspinnerei, bzw. ihren Titeln außerhalb davon wie Ashuan und Valkyrie. 🙂

Ein tolles Angebot, das mag ich alles gerne lesen. Aber was ist Grim&Gritty Fantasy?

Oha. Also: In der Phantastik gibt es ca 53 Subgenre. Darunter z.B. High Fantasy. Ganz klassischer Vertreter Herr der Ringe. Es gibt die Guten, die Bösen und es gibt wenig moralische Probleme wenn erstere letztere umbringen (okay, auch das stellt der Herr der Ringe schon an mancher Stelle infrage) Aber prinzipiell geht es immer um ein höheres Ziel und die Rettung der Welt. Bei Grim&Gritty ist es eher: Die Welt an sich ist zwar eine Fantasywelt mit Magie und fantastischen Wesen, aber das alles ist von Haus aus einfach nicht nur toll und schön. Die Welt selbst ist stellenweise düster, verdorben, roh und auch mal gewalttätig und den perfekten Zustand kann auch der Protagonist meist nicht wieder herstellen. Er versucht nur, in dieser Welt zu überleben und sich seinen eigenen – auch nicht immer ganz so kleinen – Problemen zu stellen. GoT könnte man schon eher in diese Richtung einordnen. Wobei auch in den modernen Fantasy-Romanen die Grenzen zwischen Subgenres immer mehr fließend sind.

Erzähle mir bitte etwas zu deinem Buch. Worum geht es? Was macht es zu einem besonderen Buch?

Du hast erwähnt, dass du gern Fantasy mit versteckter Gesellschaftskritik liest. Die hast du bei uns am Stand zwar tatsächlich in jedem Buch, denn wir alle finden, dass Fantasy einfach mehr sein kann, als Genre Literatur. Aber ich erzähle dir jetzt mal was über „Der Stern von Erui“. Nein, das tolle Cover mit dem Drachen ist nicht der erste sondern der dritte Teil, aber ja, ich liebe das Cover auch am meisten. Nichtsdestottrotz beginnt alles mit dem Band Heimkehr. Worum es geht? Nun ja stell dir vor, ein Mädchen, dass aus deinem Freundeskreis vor Jahren verschwunden ist und eigentlich für ermodet gehalten wurde, kehrt zurück, ganz plötzlich. Vier Jahre später sitzt ihr wieder gemeinsam an einem Tisch in der Schule. Bekannt ist nur, dass sie wirklich etwas Schreckliches erlebt haben muss, aber keiner weiß so genau was. Sie erzählt auch nichts darüber und wenn man versucht, die alte Freundschaft wieder aufeben zu lassen, dann ist sie schroff und abweisend. Bleibt man aber hartnäckig, dann wird man so manch Seltsames erleben. Kreaturen werden den eigenen Weg kreuzen, die einen an allem zweifeln lassen, was man bisher glaubte, über die Welt zu wissen und dann plötzlich zieht Nebel auf … und wenn er vergeht, ist man nicht mehr in der Welt, in der man gerade noch gestanden hat.

Tja – so beginnt die Geschichte vom Stern und sie wird einen auf verworrenen Pfaden durch eine fremde und wunderschöne aber auch brandgefährliche Welt führen. Ob diese noch zu retten ist vor dem Schatten, der sie bedroht, und was man selbst als Mensch mit diesem Schatten zu tun hat, das muss man auf über 1600 Seiten nach und nach herausfinden. Wahrheiten, die man für absolut hielt, werden in Frage gestellt und die Menschen, die man einmal zu kennen glaubte, tragen hintern den Schleier neue Namen. Das buch spielt dabei gerne mit Klischees, nur um sie zu brechen und die Erwartungen des Lesers zu enttäuschen. Doch damit will es vor allem zum Nachdenken anregen über sich, über die eigene Welt und über das Miteinander.

Du hast Recht, das trifft meinen Lesegeschmack sehr gut. Ist die Reihe mit 1600 Seiten jetzt abgeschlossen?

Ja ist sie. Es erzählt eine Geschichte, die in unserer Jetzt-Zeit beginnt, quasi aus unserer Menschenwelt heraus startet und dann über die Grenze nach Erui führt. – Also in dem Sinne auch kein reines High Fantasy, weil ich die Verbindung zu unserer Welt dabei habe. Auch hier gibt es ein ABER, denn aus Erui ist viel mehr geworden. Die Welt existiert parallel zur Menschenwelt und hat eine fast 10.000 Jahre lange Geschichte. Diese habe ich natürlich immer vor Augen beim Schreiben und weitere Schlüsselereignisse dieser Geschichte führen nun zu neuen Romanen, Romanreihen oder ergänzenden Kurzgeschichtensammlungen. All das wird wohl irgendwann ein großes Gesamtwerk und läuft unter „Die Chroniken von Erui“. Die nächste Trilogie „Das Herz des blauen Drachen“ spielt dabei zeitlich rund 1000 Jahre vor dem Stern und befasst sich mit den Ewigen Wächtern, die in der Trilogie eine wichtige Rolle spielen aber gar nicht in ihrer ganzen Tiefe aufgearbeitet werden konnten. 🙂 

Habe ich es richtig im Kopf, dass dein Märchen, das erste war, dass in der Märchenspinnerei erschienen ist? Magst du mir davon auch erzählen, leider habe ich es bisher nicht gelesen.

Ja, der ‚Lurchi‘ hat damals den Anfang gemacht. Das kam so: Überall ploppten die Märchenadaption auf einmal wie Pilze aus dem Boden. Aufwändige Cover mit zumeist Prinzessinnen in Ballkleidern. Und ich dachte mir: Aber müssen es immer Prinzessin sein? Müssen es immer Lovestories sein? Märchen haben ja von Haus aus eigentlich immer eine Moral und eine tiefere Botschaft. Ich wollte ein Märchen schreiben, das anders ist, sich mit Randfiguren unserer Gesellschaft befasst, auf moderne Probleme hinweist und für unsere moderne Zeit eine Moral hat. In diesem Fall: Denkt einmal über euer Verhalten in den soziaen Medien nach. Fällt nicht immer gleich euer Urteil über Menschen, die ihr kaum kennt. Nehmt euch Zeit für einander und lasst euch auf den anderen ein. 

In diesem Fall muss mein frecher Protagonist Fynn mit der großen Klappe das halt auf die harte Tour lernen, als er auf dem Schulklo in einen Lurch verwandelt wird. Keiner kennt sich mit Axolotln aus, außer Leonie – das Mädchen, über das er sich bisher immer lustig gemacht hat. Und so landet er in ihrem Aquarium und in ihrem Leben.

Welches Buch von Autorenkolleg*innen magst du mir empfehlen?

Du solltest dringend noch Tina Skupins „Valkyrie“ mitnehmen. Etwas cooleres im Bereich Fantasy/nordische Mythologie wird in den nächsten Jahren nicht auf den Markt kommen. ^^